Luisa-eine kleine Weihnachtsgeschichte - Teil 2
Nun saßen die Drei im gedämpftem Licht vor ihren duftenden Teetassen.
"Kaminfeuer-Tee", sagt Rudolf "ich liebe diesen Tee, er bringt ein bisschen
Wärme in die Vorweihnachtszeit".
Doch so ganz stimmte das an diesem Tag nicht Denn Rudolf sah eine kleine Träne
in Luisas Auge. "Ich weiß, du hast Sehnsucht nach deinem Opa" sagte er ganz
sanft.
"Ja" schluchzte der Engel, "wo er wohl sein mag und ob er mich sucht ?".
"Bestimmt sucht er dich !"
"Aber wie soll er mich finden, er weiß doch nicht, dass ich hier bei Dir sitze"
"Hmm, da hast du recht, da müssen wir uns etwas einfallen lassen ... aber was ?"
kurze, ratlose Pause ...
Rudolf unterbrach die Stille "darf ich dich mal was fragen ?"
"Was denn ?"
"Was habt ihr denn eigentlich schon so früh dort oben gemacht, es ist doch erst
in zwei Wochen der Tag der Bescherung ?"
Die Antwort kam sofort "Opa hat seinen neuen Schlitten Probe gefahren. Ganz neu
ist der Schlitten, der hat in der Sonne ganz toll geblinkt. Ein richtig schöner
Schlitten. Und ich bin aus ihm rausgefallen ... ich will zurück zu meinem Opa"
... und wieder war Luisa dem Weinen ganz nah ...
Da Rudolf aber im Moment auch keine Lösung wusste, wurde es ganz still in dem
Raum. Die Gedanken mischten sich mit dem Rauch der Kerzen und die Stimmung war
gedrückt. Asso hatte sich inzwischen in sein Körbchen zurückgezogen und schien
zu träumen, wie man an seinen zuckenden Pfoten sehen konnte.
Diesmal war es Luisa, die die Stille unterbrach: "wohnst du ganz alleine hier ?"
Und jetzt war es Rudolf, dem eine Träne im Auge stand. "Ja", sagte er, "seit
fünf Jahren wohne ich ganz alleine hier". Er hielt kurz inne, trank einen
Schluck Tee und hoffte, dass er nicht anfing, richtig zu heulen. Er seufzte noch
mal und fuhr dann etwas gefestigt fort "Gerlinde, meine Frau, ist vor fünf
Jahren gestorben. Krebs, es ging ganz schnell. Asso war damals ein Jahr alt ...
er ist mir als Erinnerung an die langen gemeinsamen Spaziergänge geblieben. Und
so gehe ich heute noch unsere Wege über die Felder".
"Hast du denn keine Kinder" unterbrach in Luisa.
"Doch, sogar zwei Stück. Aber weißt du, mein Engel, die leben ihr eigenes Leben.
Harald, mein ältester Sohn lebt in Amerika mit seiner Frau und zwei Kindern. Zu
Weihnachten wird eine Karte kommen mit vielen Wünschen, mehr nicht. Und dann
habe ich noch eine Tochter, die lebt in München. Sie habe ich vor drei Jahren
bei Ihrer Hochzeit zum letzten Mal gesehen. Ach Mensch ..." und jetzt liefen
doch ein paar Tränen über seine Wangen "hätte ich sie doch bloß nicht vor ihrem
Freund warnen wollen. Aber ich konnte einfach nicht anders, ich sehe doch einem
Menschen an, ob er es ehrlich meint. Und dieser Jens meinte es nicht gut mit
meiner Tochter. Aber sie hat sich furchtbar darüber aufgeregt, dass ich
dazwischen geredet habe und wir sind im Unfrieden auseinander. Ein paar Monate
später habe ich ihr einen langen Brief geschrieben, aber er kam unzustellbar
zurück. Ich weiß nicht, wo und wie meine Tochter nun lebt."
Und nun heulte er ... und es der Engel Luisa, der Rudolf liebevoll in den Arm
nahm.
Rudolf fing sich wieder "aber heut ist heut und wir haben im Moment ganz andere
Probleme. Wir müssen es irgendwie schaffen, dass du wieder zu deinem Opa
zurückkommst."
Luisa saß ratlos daneben "aber was können wir tun ?".
Und wieder ergriff eine melancholische Stille den Raum.
Auf einmal blitzte es in Rudolfs Augen, "ich hab da eine Idee" sagte er, sah
dabei um viele Jahre jünger aus, stand auf und ging die Treppe hinunter in den
Keller. Julia hörte, dass er ein paar Kisten zur Seite schob, auf einmal "ah, da
ist er ja" sagte und wieder die Treppe heraufkam.
Rudolf hatte ein mittelgroßen Karton in der Hand und sagte zu Luisa "schau mal,
was ich da hab ..."