Georges de La Tour (1593-1652) war ein lothringischer Maler,
er wird der frühen französischen Kunst der Barockzeit zugerechnet.

Schon seine frühen Gemälde stellen Personen aus einer Welt der Armut dar.
Diese profanen Themen bleiben auch im späteren Werk bestimmend:
alte Bauern, Bettler, blinde Musikanten, eine Flöhe suchende Frau.

Ein anderer Themenkreis widmet sich Gaunereien wie zum Beispiel dem Falschspielen mit Karten,
oder der betrügerischen Wahrsagerei (siehe oben "Die Wahrsagerin").
Immer sind die Figuren aus großer Nähe gesehen, ohne ihre Würde
durch banales Beiwerk oder sentimentale Verfälschung zu beeinträchtigen.

Unter der Kommentarfunktion steht die ausführliche Bildbeschreibung aus Wikipedia.



Im Bild ist ein milchgesichtiger junger Mann dicht von einer Gruppe von Frauen umringt,
die mit einer einzigen Ausnahme einen dunklen Teint aufweisen,
was darauf schließen lässt, dass es sich um Zigeunerinnen handelt.
Die Alte rechts bietet dem jungen Mann an, ihm aus der Hand zu lesen,
sie hält ein Geldstück in der Hand (vermutlich ihr Entgelt), mit dem sie, wie das üblich war,
vor Beginn der Wahrsagung ein Kreuz über seiner geöffneten Hand schlagen wird.
Sie redet auf ihn ein, lenkt ihn ab, derweil die Hellhäutige mit einer Zange
eine goldene Schaumünze von seiner Kette abzwickt.

Auch das Mädchen ganz links ist im Begriff, ihn zu bestehlen,
zumal ihre Hand Richtung Westentasche des jungen Mannes greift.
Vertrauen zu dieser Runde scheint der junge Mann nicht zu besitzen.
Sowohl sein Blick als auch sein abgespreizter Ellenbogen,
mit dem er sich größer und stämmiger zu machen versucht, strahlen Skepsis und Unsicherheit aus.
Trotzdem lässt er zu, dass die Diebinnen leichtes Spiel haben.
Die Hellhäutige sticht dabei besonders ins Auge: Sie passt eigentlich nicht ins Bild,
ihre Komplizenschaft mit den andern lässt sich als Hinweis auf den damals verbreiteten Glauben verstehen,
Zigeuner würden weißhäutige Kinder entführen, in ihren Familien großziehen und bei Gaunereien einsetzen.

Der Blick des jungen Mannes ist im Bann der alten Zigeunerin, sie muss zusehen, dass er abgelenkt bleibt.
Die Augen der jungen Mädchen gehen hin und her, die eine schaut auf den Jüngling,
die zweite von links wiederum auf ihre hellhäutige Komplizin.
Die scheinbare Ruhe des oberen Bildbereichs steht im Kontrast zur Konzentration im unteren,
wo im Blick der Diebinnen ihre Anspannung zum Ausdruck kommt.
Sie wollen und dürfen sich nicht erwischen lassen, denn Taschendiebstahl begangen
von der rechtlos gestellten Gruppe der Zigeuner wurde damals
ohne Prozess mit öffentlichen Auspeitschungen bestraft.